Bericht aus dem Haus Zoar, Hagen

Von Barbara Willig, Leiterin

Nach einem halben Jahr ist das WMP fester Bestandteil unseres Konzeptes in Haus Zoar geworden. Die Kolleginnen in den Gruppen merken deutliche, positive Verhaltensänderungen bei den Kindern. Alle im WMP gelernten Lieder und Aktivitäten gehören mittlerweile zum Gruppenalltag dazu und sind auch nicht mehr wegzudenken.

So werden beispielsweise wiederkehrende Schlüsselsituationen wie Sing- und Kreisspiele stets, wie unter der Moderation von Dirk (WMP-Mentor, Anm. d. Red.) erlernt, mit dem Einzugslied „Wir machen einen Kreis zusammen“ gestartet. Im Anschluss an dieses Lied wird als festes Ritual „Wir wollen alle Singen…“ gesungen, die Kinder suchen die Aktivitäten aus, die dargestellt werden sollen. Hierbei zeigen sowohl die älteren als auch die jüngeren Kinder viel Freude und Motivation. Das Lied „Lange, lange Reihe“ ist von den Kindern in Schlüsselsituationen als Aufforderung zum Versammeln selbstverständlich. Die Kinder reagieren sofort, in einer ruhigen Art und Weise, haben die Abläufe verinnerlicht und motivieren sich gegenseitig durch den Einsatz der Melodie und des Textes. Manche Kinder stimmen dieses Lied auch selbständig an, und erreichen somit auch die anderen Kinder der Gruppe. Die Kinder erinnern sich gegenseitig an die Abläufe der Lieder. Das Lied „Händewaschen“ ist festes Ritual um Hände zu waschen.

(Fotos: Haus Zoar, Hagen)

Durch den Einsatz der Lieder sind regelmäßig wiederkehrende Schlüsselsituationen entzerrt und für die Kinder selbstverständlich, führen zu Selbständigkeit und Selbstbewusstsein. Die pädagogischen Fachkräfte treten mehr in den Hintergrund und stehen den Kindern zu Seite.

Wir merken deutlich, dass der Gruppenzusammenhalt gestärkt wird, das Sozialverhalten der Kinder sich positiv verändert und die verschiedenen Sinne angeregt werden. Insgesamt ist in beiden Gruppen, während des Alltags mehr Sing- und Sprechfreude zu spüren, die Kinder werden zum Sprechen angeregt, sowohl deutsche Kinder als auch Kinder mit Migrationshintergrund, die mit dem Eintritt in eine Kita Deutsch als Zweitsprache erwerben, manchmal auch in der Kombination Sprachanfänger und DaZ. Beispielsweise traut sich ein deutsches Mädchen, 4,5 Jahre alt, das uns bisher Sorgen machte, da sie nicht sprach, mittlerweile frei zu sprechen. Sie singt während der Freispielphasen die Lieder nach, ist ziemlich textsicher und hat deutlich an Selbstbewusstsein und grammatikalischer Sicherheit gewonnen. Ein Junge 5,2 Jahre alt übernimmt 1 zu 1 die von Dirk vorgemachten Gesten und die Mimik. Er trifft auch sicher die musikalischen Töne der Lieder. Der jüngste Junge, 1,6 Jahre alt spricht den 2er Rhythmus „Ba Ba“ sicher nach und kann auch „vorgeben“ und wartet darauf dass eine Erzieherin antwortet.

Insgesamt lässt sich der Alltag musikalisch „schöner“ gestalten, WMP schafft eine schöne Gruppenatmosphäre. Auch die pädagogischen Fachkräfte, die sich selbst als nicht musikalisch erlebten, zeigen eine höhere Musikalität und Singmotivation. Sie sind sehr engagiert und bringen eine hohe Motivation in der Gestaltung und Umsetzung der einzelnen Lieder mit. Pädagogische Fachkräfte, die eine hohe Musikalität besitzen, bringen ihr Wissen ein und unterstützen die Kolleginnen.